Anleihen heute im Fokus: Travel24, Air Berlin, Adler Real Estate, Windreich und hkw

Scholz setzt auf Schrott - auch einige Anleihen könnten dem Häcksler zum Opfer fallen...

Windreich gehört seit einigen Tagen zu den Dauergästen der Tagesgewinner- und verlierer. Auch bei hkw geht es zur Sache. Handfeste News gibt es bei Travel24, Air Berlin und Adler.

So hat die Generalstaatsanwaltschaft Dresden dem Vorstand und dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates der Travel24.com AG die Anklage zugestellt. Bestandteil der vom Reisevermittler seit langem erwarteten Anklage sind die Vorwürfe des unerlaubten Betreibens von Versicherungsgeschäften, des Verdachts der Steuerhinterziehung sowie der strafbaren Werbung. Das Gericht habe nunmehr zu prüfen, ob sich aus der Anklage ein hinreichender Tatverdacht ergebe, meldeten die Leipziger gestern Abend. Am Mittwoch notierte die Anleihe wenig verändert bei 74%, zumal die juristischen Unpässlichkeiten inzwischen hinlänglich bekannt sind.

Am Boden blieben gestern neben der Aktie auch die in Bondm umlaufenden Bonds von Deutschlands zweitgrößter Fluglinie Air Berlin. Im Tagesverlauf ließ die 4. Zivilkammer des Landgerichts Potsdam durchklingen, dass sie Zweifel daran hege, ob zwischen dem Carrier und der Berliner Flughafengesellschaft überhaupt ein Vertrag geschlossen wurde.

Zwar hält sie ein durch Gespräche zwischen den Parteien begründetes vorvertragliches Verhältnis für möglich. Danach hätte die Betreibergesellschaft rechtzeitig warnen müssen, wenn absehbar gewesen war, dass der geplante Eröffnungstermin im Sommer 2012 nicht zu halten war. Ein solches Vorvertragsverhältnis rechtfertige aber nicht die Höhe des von Air Berlin geforderten Schadenersatzes von 48 Mio. EUR. „Falls die Flughafengesellschaft Air Berlin nicht rechtzeitig gewarnt habe, könne sie für einen Vertrauensschaden haftbar gemacht werden. Das betreffe aber nur einzelne Positionen wie etwa Umbuchungskosten oder Mieten für Büros“, betonte das Gericht. Beide Seiten erklärten sich zu weiteren Gesprächen über eine mögliche außergerichtliche Einigung bereit. Zuvor soll das Gericht allerdings noch klären, welchen grundsätzlichen Anspruch auf Schadensersatz es gibt.

Unterdessen kündigte Air Berlin die Aufstockung seiner im Frühjahr 2011 begebenen 8,25%-Anleihe im Volumen von 150 Mio. EUR an (zum Beitrag).

Die Adler Real Estate AG ist einmal mehr aktiv geworden und hat eine weitere Transaktion an Land gezogen. Das Unternehmen übernimmt alle Anteile einer Beteiligungsgesellschaft, die ihrerseits an drei Wohnimmobilienportfolien in sechs Bundesländern beteiligt ist. Rund 1.900 Wohneinheiten fallen unter den Deal, melden die Hamburger. Adler war bereits seit Ende Oktober mit knapp 53% beteiligt. Adler RE habe damit im vergangenen Jahr sein Wohnimmobilienportfolio auf ca. 10.000 Einheiten ausgebaut mit einem Investitionsvolumen von über 500 Mio. EUR.

Saures für Balz’s Windreich: Auf der am Montag stattgefundenen Anleihegläubigerversammlung der Windreich GmbH (ehemals ja eine AG) wurden Klaus Nieding und Frank Günther als gemeinsame Vertreter gewählt. Das Gremium entschied sich damit gegen den von Windreich-Gründer Will Balz und Insolvenzexperten Dr. Volker Grub vorgeschlagenen Stuttgarter Rechtsanwalt Joachim Illig. Für die beiden 6,5%-Windreich-Bonds im Gesamtwert von 125 Mio. EUR ging es daraufhin gestern steil aufwärts!

Die ebenfalls in Insolvenz befindliche hkw Personalkonzepte gehörte gestern zu den Tagesgewinnern. Angeblich existiert ein Übernahmeangebot für die Anleihen in Höhe von 11%. Der Kurs kletterte gestern schließlich auf besagte 11%.

Am gestrigen Mittwoch endete die Zeichnungsfrist der von Edisun Power Europe im Dezember 2013 aufgelegten Obligationenanleihe im Gesamtnennwert von 5 Mio. CHF. Das Bondangebot mit einer zehnjährigen Laufzeit bis zum 31. Januar 2024 und einem jährlichen Kupon von 4,5% stieß offenbar auf großes Investoreninteresse und war Edisun zufolge überzeichnet. Mit den Mitteln aus der Anleihenneuemission und bestehenden Liquiditätsreserven beabsichtigt der Solarstromproduzent wie vorab bereits angekündigt, die 4,25%-Unternehmensanleihe (2009/14) im Volumen von knapp 9 Mio. CHF per 31. Januar vorzeitig zurückzuzahlen.

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