Interview mit Martin Billhardt, Vorstandsvorsitzender der PNE WIND AG

Martin Billhardt

Der Windparkprojektie PNE WIND AG emittiert eine Unternehmensanleihe im Volumen von 100 Mio. EUR. Im Gespräch mit dem BondGuide spricht Vorstandsvorsitzender Martin Billhardt über die Auswirkungen der Energiewende und seine Ziele. 

BondGuide: Bei der geplanten Energiewende fehlen bisher noch klare Vorgaben von Seiten der Politik. Beeinträchtigen diese Verzögerungen Ihre Geschäftspläne?
Billhardt: Nein. Wir haben ja ein bestehendes Erneuerbare-Energien-Gesetz, mit dem wir sehr gut arbeiten können. Der Altmaier-Vorstoß, die Ökostrom-Umlage einzufrieren, war purer Wahlkampf und wurde von sämtlichen Interessengruppen abgelehnt  nicht nur von SPD und Grünen, auch von der CSU. Dieser Aktionismus betrifft uns nicht.

BondGuide: Sie projektieren Windparks an Land und auf See im In- und Ausland? Wie breit sind Sie hier aufgestellt?
Billhardt: Als PNE WIND AG sind wir in Deutschland Zuhause und zudem in Südosteuropa, Großbritannien und  Nordamerika aktiv. Mit der Akquisition der WKN AG in der vergangenen Woche erreichen wir eine Ausweitung nach Polen, Italien, Frankreich, Schweden, Ukraine und Südafrika. So können wir in weiteren Ländern unsere Windpark-Projekte umsetzen und zusätzliche Umsatz- und Ertragspotenziale heben. Diese breitere Aufstellung macht uns zudem unabhängiger von der Energiepolitik einzelner Staaten.

BondGuide: Wo sehen Sie Ihre Vorteile gegenüber den Wettbewerbern?
Billhardt: Wir haben ein eindeutig definiertes Geschäftsmodell: Wir machen keinerlei Herstellung, wir sind de facto kein Energieerzeuger und – ganz klar – wir nehmen keine Offshore-Umsetzungsrisiken in unsere Bilanz auf. Das ist die Abgrenzung. Damit fallen bei uns viele Risiken weg. Dieses sichere Geschäftsmodell ist wichtig, da wir schon am Kapitalmarkt tätig sind – unsere Aktien sind börsengelistet und wir zahlen seit mehreren Jahren Dividende. Zudem haben wir sehr qualifizierte Mitarbeiter, denen wir eine hervorragende berufliche Perspektive bieten.

BondGuide: Welche Geschäftsziele wollen Sie in den nächsten Jahren erreichen?
Billhardt: Das unmittelbare Ziel ist – nach dem Erwerb der Mehrheitsanteile – die vollständige Übernahme der WKN AG. Wir haben eine weitere Aufstockung um 30% im Visier, wenn Siemens seine Verkaufsoption ausübt, wovon wir ausgehen. Daneben wollen wir im Offshore-Bereich wachsen. Hier sind wir gerade dabei, weitere Projektrechte, die alle entwickelt sind, zu akquirieren. Auch im laufenden Geschäft mit dem Verkauf von Projekten sind wir gut positioniert. Dies soll im Ausland ausgebaut werden. Im Onshore-Bereich gilt es, in Ländern, wo wir aktiv sind, unsere Position zu festigen sowie weitere Projekte zu entwickeln und zu verkaufen.

BondGuide: Wodurch ergeben sich die geplanten Ertragszuwächse bis 2014?
Billhardt: Zum einen haben wir ein starkes inneres Wachstum. Durch den Verkauf von Offshore-Projekten an den dänischen Energiekonzern DONG rechnen wir für 2013 mit einem EBIT von 40 bis 52 Mio. EUR. Für die Jahre 2014 und 2015 ist ein kumuliertes EBIT von 60 bis 72 Mio. EUR geplant. Im eigenen Unternehmen sehen wir also in den nächsten drei Jahren eine Ertragskraft von 100 bis 124 Mio. EUR. Weitere Zuwächse ergeben sich durch WKN. Für den Zeitraum von 2013 bis 2015 rechnet das dortige Management mit Erträgen von rund 70 Mio. EUR.

BondGuide: Warum haben Sie den Windparkprojektierer WKN AG übernommen?
Billhardt: Hier spielen zwei Punkte eine wichtige Rolle. Zum einen wollen wir uns unabhängiger von den politischen Risiken in einzelnen Ländern machen. Durch die Übernahme sind wir mit einem gesunden Unternehmen sofort in weiteren Ländern präsent. Zudem können wir von dem Wachstum in diesen Märkten profitieren. Zum anderen wollen wir durch die Übernahme unsere Erträge ausweiten und hier für eine größere Stetigkeit sorgen. Ein höheres Ertragsvolumen macht uns an der Börse für große Investoren interessanter. Unsere Erträge profitieren zudem davon, dass sich Synergie-Potenziale auf der Einkaufs- und Vertriebsseite ergeben.

BondGuide: Wie hoch ist Ihre Eigenkapitalquote?
Billhardt: Zum 31. Dezember 2012 lag sie bei rund 47%. Mittlerweile sind uns – auch aus unseren Offshore-Verkäufen – weitere Erträge und Liquidität zugeflossen. Damit ist für das Unternehmen und unsere Anleihe eine solide Grundlage geschaffen.

BondGuide: Herr Billhardt, vielen Dank für das interessante Gespräch!

Das Interview führte Thomas Müncher.
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