Windreich: „Ich kenne weltweit niemanden, der sich nur annähernd so umfangreich für seine Vision einer CO2-freien und sicheren Stromerzeugung committed hat“

Willi Balz

Kaum ein anderes Unternehmen spaltet Branche, Anleger wie auch einfach nur Neugierige gleichermaßen wie Offshore-Projektierer Windreich. Wie also ist denn nun Stand der Dinge, und zwar in jeglichen Belangen, sei es der Fortgang der beiden wichtigsten Offshore-Parks Global Tech I und MEG I sowie auch der Bedienbarkeit/Rückzahlungsfähigkeit der beiden ausstehenden Mittelstandsanleihen? Nicht zuletzt hat Gründer und CEO Willi Balz sein persönliches Schicksal durch Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe mit der Windreich AG verwoben. Das GoingPublic Magazin sprach Ende Juni ausführlich mit Balz: bitte lesen Sie das gesamte ausführliche Interview in zwei Teile gesplittet – einmal die mehr technische Seite, einmal die mehr persönliche – auf bondguide.de bzw. goingpublic.de!

GoingPublic: Herr Balz, bei Windreich spielt seit einiger Zeit nicht nur die anspruchsvolle technische Seite, sondern auch die mediale eine wichtige Rolle: Was war denn das im Frühsommer dieses Jahres mit der Durchsuchung der Windreich-Räumlichkeiten durch die Staatsanwaltschaft, wenn ich fragen darf?
Balz: Die umfangreiche Durchsuchung wurde ausgelöst durch anonyme bzw. mit gefälschtem Absender versehene Anzeigen. Das Ereignis ist natürlich in einem so kapitalintensiven Geschäft wie unserem der Mega-GAU. Aber auch davon lassen wir uns nicht vom unternehmerisch richtigen Weg abbringen. Die konkrete Auswirkung im Tagesgeschäft ist, dass wir bis zur restlosen Aufklärung der Vorwürfe unsere Investoren überwiegend nicht in Deutschland finden werden, was ich sehr bedaure. Andererseits sind wir dadurch aber auch künftig weltweit besser aufgestellt und vernetzt. Die künftige Eigentümerstruktur von MEG 1 wird voraussichtlich keine europäische Komponente mehr haben.

GoingPublic: ‚Windreich ist Balz und Balz ist Windreich‘, heißt es in der Branche und darüber hinaus. Inwieweit haben Sie Ihr persönliches Schicksal mit der AG verknüpft?
Balz: Maximal, zu 100%. Ich stehe voll hinter der Energiewende und der Richtigkeit unserer Strategie und bringe meine gesamte Berufs- und Lebenserfahrung als Ingenieur, erfahrener Projektentwickler, Geschäftsmann und Windexperte, u.a. als Pilot, Regattasegler und Hobbymeteorologe ein. Mit Begeisterung, Kraft und Leidenschaft ist es auch für ein kleines Unternehmen möglich, auf einem technischen Gebiet viel zu bewegen. Durch unsere frühzeitigen und richtigen Entscheidungen haben wir uns die führende Position in der Nordsee erarbeitet und verdient. Niemand kann bestreiten, dass wir über 35% der bebaubaren Flächen und 60% der scharfen Netzanschlüsse verfügen. 100% sogar beträgt unser Marktanteil, wenn man planmäßig und erfolgreich laufende Projekte als Maßstab heranzieht.

GoingPublic: Schon einmal darüber nachgedacht, die vielbeschworenen Oldtimer als persönlich gestellte Sicherheiten nun explizit wieder reinzubringen?
Balz: An dieser Stelle möchte ich ein für alle Mal mit dem Gerücht aufräumen, die Windreich AG hätte von den 50 Mio. EUR der ersten Anleihe Oldtimer gekauft. Genau das Gegenteil ist richtig. Hohe dreistellige Millionenbeträge sind in unsere Offshore-Projekte investiert. Allein in MEG 1 wurden bis heute 140 Mio. EUR investiert. Wir gehen fest davon aus, durch weitere Vorlaufinvestitionen in zweistelliger Millionenhöhe in unsere Pipeline auch künftig jedes Jahr mindestens eine weitere Genehmigung zu erhalten. Ich habe mein privates Engagement, auch durch Oldtimerverkäufe, in den letzten Monaten auf mittlerweile ca. 230 Mio. EUR erhöht. Ich kenne weltweit niemanden, der sich nur annähernd so umfangreich für seine Vision einer CO2-freien und sicheren Stromerzeugung committed hat.

GoingPublic: Wie kritisch ist die Liquiditätssituation – werden nicht im Juli die Zinsen einer der beiden Windreich-Unternehmensanleihen fällig?
Balz: Ja, das stimmt, fällt aber bei den hohen Investitionen, die wir in unsere Offshore-Projekte tätigen, weniger ins Gewicht als Sie glauben. Wir verkaufen selektiv Onshore-Windkraftanlagen, um von den hohen künftigen Offshore-Wertsteigerungen durch den Projektreifegrad im Sinne unserer Anleihezeichner zu profitieren. Auch schuldet uns die MBB Clean Energy AG aus dem Verkauf eines großen Projektpakets noch hohe zweistellige Millionenbeträge, die wir mittlerweile über unsere Rechtsanwälte FGS Flick, Gocke, Schaumburg eingeklagt haben.

GoingPublic: Herr Balz, ganz herzlichen Dank für Ihre interessanten Einblicke und das persönliche Engagement!

Das Interview führte Falko Bozicevic.
In Teil I des Interviews mit Willi Balz finden Sie die Themen Fortschritt der Projekte, Finanzierung und weitere Pläne.