Metalcorp: „Gute Rendite bei niedrigem Risiko“

Ricardo Phielix

Metalcorp Group handelt weltweit mit Metallen und ist darüber hinaus in der Produktion von Sekundäraluminium tätig. Im Gespräch mit dem BondGuide spricht CFO Ricardo Phielix über die geplante Anleihe, wie die Mittel daraus eingesetzt werden sollen und inwiefern Metalcorp eine risikoaverse Geschäftsstrategie verfolgt.

BondGuideHerr Phielix, warum haben Sie sich für eine Anleihe als Finanzierungsinstrument und nicht etwa für eine Bankenfinanzierung entschieden?
Phielix:
  Wir sind uns sicher, dass wir mit unserer Unternehmensgröße, unserer internationalen Ausrichtung und unserem Potential für unsere weitere Unternehmensentwicklung eine attraktive Investmentmöglichkeit für institutionelle und private Investoren darstellen und haben uns bewusst für diesen Weg entschieden. Bei der Finanzierung unserer Transaktionen arbeiten wir mit weltweit renommierten Banken zusammen – und werden das auch weiterhin tun.

BondGuide: Wie soll denn der Emissionserlös verwendet werden?
Phielix:
Für die Mittel aus der Anleihe haben wir mehrheitlich eine sehr spezifische Mittelverwendung geplant. Wir setzen diese Mittel ein, um damit die von Banken geforderten Bar-Sicherheiten bei Handelsgeschäften zu leisten. Das hat für unsere Anleihe-Investoren den großen Vorteil, dass die Mittel in dieser Höhe verfügbar bleiben, dabei aber ab dem ersten Tag Ertrag bringend eingesetzt werden und bei späterer Tilgung der Anleihe in voller Höhe sofort verfügbar sind.

BondGuide: Der Kupon von 8,75% liegt deutlich über dem Durschnitt – wie haben Sie diesen ermittelt und sehen Sie Chancen/Risiken darin angemessen widergespiegelt?
Phielix: 8,75% sind sicher sehr attraktiv für Investoren und tragen dem Umstand Rechnung, dass wir zum ersten Mal an den Kapitalmarkt gehen. Die Attraktivität wird dadurch gesteigert, dass wir ein besonders risikoaverses Geschäftsmodell haben, denn wir minimieren viele der typischen Risiken eines Handelsunternehmens bzw. schließen sie sogar aus.

BondGuide: Inwiefern?
Phielix: Wir führen im Handel von Stahl und NE-Metallen ausschließlich sogenannte Back-to-Back-Geschäfte – also  Geschäfte, bei denen vor Vertragsabschluss Käufer und Verkäufer feststehen – durch und verzichten auf eine eigene Lagerhaltung, so dass wir uns von den Preisentwicklungen der Rohstoffmärkte operativ nahezu unabhängig entwickeln können. Im Aluminiumgeschäft werden wir erst bei festen Kundenaufträgen aktiv. Hier ist es sogar so, dass wir zu 70% im Umarbeitungsgeschäft tätig sind. Das heißt, unsere Kunden liefern ihren eigenen Aluminiumschrott, den wir für sie zu hochwertigen Aluminiumwalzbarren umarbeiten. Wir bieten also eine gute Rendite bei niedrigem Risiko und erwarten uns damit einen guten Start am Kapitalmarkt.

BondGuide: Welche Schutzrechte haben Sie für Anleihe-Investoren eingebaut?
Phielix: Die Anleihebedingungen sehen als besondere Schutzrechte insbesondere eine Negativverpflichtung, ein Sonderkündigungsrecht für die Anleger bei einem Kontrollwechsel sowie eine Ausschüttungssperre von 50% des Konzernjahresüberschusses vor. Ich möchte aber auch nochmal die bereits erwähnte spezifische Mittelverwendung als Bar-Sicherheit in der Finanzierung von Handelsgeschäften anführen: Denn die Gelder sind damit nicht in Investitionsprojekten mit manchmal unsicherer Rendite blockiert – wir bewegen sie gewissermaßen nur von einem Konto zum anderen, und sie bleiben verfügbar.

BondGuide: Welches sind aus Ihrer Sicht die wichtigsten wirtschaftlichen Risiken für das Unternehmen?
Phielix: Mit unserem risikoaversen Geschäftsmodell haben wir die Risiken, denen wir in unserem operativen Geschäft täglich begegnen, so weit wie möglich minimiert. Eventuelle Preisrisiken schließen wir dadurch aus, dass wir erst dann Geschäfte tätigen, wenn wir sowohl einen Rohstofflieferanten als auch einen Abnehmer haben und sämtliche Details vertraglich fixiert sind. Wir setzen hier nahezu ausschließlich auf Back-to-Back-Geschäfte. Sollten doch Preisrisiken entstehen, sichern wir sie entsprechend ab. Ein ähnliches Modell fahren wir bei der Sekundäraluminium-Produktion. Hier sind die Lieferanten, die ihre Aluminiumreste bzw. -schrotte anliefern, gleichzeitig auch unsere Kunden. Wir produzieren ausschließlich auf Basis fester Bestellungen, bereiten das gelieferte Material wieder auf und sind somit ein wichtiger Partner im Umarbeitungskreislauf. Seit unserer aktuellen strategischen Ausrichtung, die wir im Jahr 2006 vorgenommen haben, arbeiten wir operativ stets profitabel.

BondGuide: Und wie sichern Sie die Transaktion für Rohstofflieferanten ab?
Phielix: Wir finanzieren die Transaktion für die Rohstofflieferanten durch Akkreditive. Insgesamt haben wir bei verschiedenen Banken eine Linie von 200 Mio. USD. Gegen den Zahlungsausfall sind wir mit entsprechenden Versicherungen geschützt, lediglich 5% des Transaktionsvolumens könnten im schlimmsten Fall für uns verloren gehen. Seit 2009 hatten wir aber keinen Zahlungsausfall, und wir analysieren im Vorfeld die Zahlungsfähigkeit unserer Kunden sehr genau. Darüber hinaus gilt es zu bedenken, dass der Kunde, der seine Rohstoffe nicht bezahlt, sich automatisch aus dem Markt verabschiedet.

BondGuide: Wie wählen Sie Ihre Kunden aus?
Phielix: Für uns ist es nicht entscheidend einen Kunden zu finden. Wir handeln ausschließlich Commodity-Produkte zum Marktpreis. Hierfür lassen sich immer Kunden finden. Entscheidender ist für uns der nachhaltige Rohstoffzugang. Damit wir unseren Kunden die gewünschten Rohstoffe liefern können,  sind für uns langfristige Abnahmeverträge, sogenannte Off-take-Agreements, sehr wichtig. Wir haben mit vielfältigen Minen entsprechende Vereinbarungen getroffen. Bei uns steht der gesicherte Rohstoffzugang im strategischen Fokus.

BondGuide: Aber warum begibt ein niederländisches Unternehmen eine Anleihe am Frankfurter Entry Standard?
Phielix: Wir sind in erster Linie ein internationales Unternehmen. Am Hauptsitz in Amsterdam haben wir unsere Verwaltung konzentriert, für uns ist aber Berlin ein wichtiger Standort. Dort sitzt unsere Tochtergesellschaft BAGR Berliner Aluminiumwerk, einer der marktführenden unabhängigen Anbieter von Walzbarren aus Sekundäraluminium in Europa. Und die BAGR ist die Keimzelle für die Entstehung unserer Unternehmensgruppe, so dass die Wahl, eine Mittelstandsanleihe in Deutschland zu emittieren, für uns nahe lag. Insgesamt sind wir mit eigenen Büros und Repräsentanzen in mehr als 20 Ländern vertreten. Diese Internationalität spiegelt sich auch in unserem Management-Team wider.

BondGuide: Herr Phielix, vielen Dank für die interessanten Einblicke.

Das Interview führte Maximiliane Worch.  

Anleiheübersicht – Metalcorp Group B.V.

WKN A1H LTD
Erstnotiz 27. Juni
Zeichnungsfrist 12.–25. Juni (vorzeitige Schließung  möglich)
Ausgabepreis 100%
Kupon 8,75%
Stückelung 1.000 EUR
Laufzeit 5 Jahre
Marktsegment Entry Standard, Börse Frankfurt
Emissionsvolumen Bis zu 30 Mio. EUR
Rating/Unternehmen BB (CR); BB- (Scope)
Banken/Sales Schnigge
Internet www.metalcorpgroup.com

Bewertung – Metalcorp Group B.V.

Wachstumsstrategie/Verwendungszweck ****
Peergroup-Vergleich ***
Kennzahlen (Zinsdeckung, Gearing, o. Ä.) ****
IR/Bond-IR ****
Covenants ***
Liquidität im Handel (e) **
Fazit BondGuide ****

Geschäfts- und Kennzahlen – Metalcorp Group B.V.

  2010 2011 2012
Umsatz* 218 376 387
Betriebsergebnis* 7,3 3,4 4,6
Jahresergebnis* 26,3 3,8 1,6

*) in Mio. EUR
Quelle: Unternehmensangaben, BondGuide Research