„Die Anleiheemission hat uns gestärkt“

Carsten Scholz, Leiter Investorenbetreuung, German Pellets

Der Holzpellets-Hersteller German Pellets ist seit über zwei Jahren mit einer Anleihe im Volumen von 80 Mio. EUR im Stuttgarter Bondm. Im Interview mit BondGuide erläutert Carsten Scholz, Leiter der Investorenbetreuung, was die Bond-Emission für das Unternehmen, insbesondere die Finanzkommunikation und die Wirkung in der Öffentlichkeit, bedeutet hat.


BondGuide: Herr Scholz, wie sieht für Sie eine gute, ausgewogene Kommunikation mit Investoren aus?
Scholz: Uns ist wichtig, dass wir unsere Anleger individuell informieren. Das wiederum muss transparent und in einer richtigen Dosierung geschehen. Wir bieten den Anlegern z.B. die Möglichkeit, drei bis vier Mal im Jahr einen Newsletter im Umfang von jeweils vier DIN-A4-Seiten zu beziehen. Darauf bekommen wir auch ein positives Feedback. German Pellets ist aber nicht nur mit einer Anleihe am Kapitalmarkt präsent, sondern ebenso mit einer laufenden Emission von Genussrechten. Deshalb sind wir ständig gefordert, relevante Informationen  transparent zu kommunizieren. Diesen Anspruch transportieren wir auch auf die Anleihe. Allerdings stellen wir uns immer auch die Frage, welche Informationen tatsächlich wichtig sind. Bei zu vielen kommunizierten Themen besteht die Gefahr, den Anleger zu überfrachten, was zu einer geringeren Aufmerksamkeit führen würde.

BondGuide Können Sie Ihre Kommunikationsstrategie an einem Beispiel verdeutlichen?
Scholz: Ein halbes Jahr nach unserer Anleiheemission kam es zu einigen Verwerfungen im Bondmarkt, insbesondere bei Unternehmen der erneuerbaren Energien. In dieser Zeit ging unser Anleihekurs auch nach unten, Richtung 80%. Da wurden wir quasi in Sippenhaft genommen. Es kamen zahlreiche Anrufe von Anlegern an die Zentrale von German Pellets, die nicht nur in unserer Abteilung landeten. Wir haben uns aber dann schnell dazu entschieden, dass alle Fragen von Anlegern oder Vermögensverwaltern an mich und meine Mitarbeiter gehen sollten, um eine zentrale und koordinierte Kommunikation zu gewährleisten.

BondGuide War auch eine Kommunikationsagentur dabei eingebunden?
Scholz: Nein, da kann man aus meiner Sicht nur verlieren. Bei den Genussrechten haben wir auch keine externe Vertriebsorganisation eingeschaltet. Die Anleger haben ein Recht darauf, dass sie die Informationen direkt aus unserem Unternehmen erhalten. Das schafft Vertrauen und Akzeptanz.

BondGuide: Reicht die interne Kapazität, um alle Anfragen zu bearbeiten?
Scholz: Wenn uns ein Anleger nicht erreicht, haben wir den Anspruch, binnen 24 Stunden aktiv auf den Anfragenden zuzukommen. Wir haben das Ziel zu agieren, nicht zu reagieren. Zur besseren Bewältigung der Anfragen sind die Zuständigkeiten unserer drei Investorenbetreuer nach Regionen aufgeteilt. Sie sind als persönlicher Ansprechpartner für die Anleger genannt und sind deren Anlaufstelle für Fragen zu den Genussrechten oder zur Anleihe.

BondGuide: Wie unterscheidet sich die Anleihekommunikation vor der Emission und danach?
Scholz: Natürlich ist die Schlagzahl vor der Emission größer, weil die Kommunikation auf einen festen Termin ausgerichtet ist. Zur Unterstützung hatten wir deshalb auch noch eine professionelle Agentur eingebunden. Zurzeit stoßen potentielle Anleger eher wegen des guten Kurses auf unsere Anleihe. Die können wir dann im Gespräch auch auf unsere Genussrechte leiten. Wir profitieren hier also von sogenannten Abstrahleffekten. Zudem haben wir bereits zwei Mal geräuschlos Zinsen gezahlt.

BondGuide: Wie haben Sie die Zinszahlung kommunikativ begleitet?
Scholz: Das war Gegenstand intensiver interner Diskussionen. Wir haben uns dazu entschieden, die Zinszahlung nicht zu kommunizieren. Unser Geschäftsführer Peter Leibold war der Meinung, dass auf eine zugesagte Leistung, die im Emissionsprospekt steht, nicht nochmals eigens aufmerksam gemacht werden muss. Bei den Genussrechten sieht es ein wenig anders aus, weil hier eine ertragsabhängige Vergütungskomponente inbegriffen ist. Hier kommunizieren wir frühzeitig, ob und wann wir die 8% voll zahlen oder gegebenenfalls weniger. Die Kommunikationsstrategie ist also produktabhängig.

BondGuide: Welche Kommunikationsmaßnahmen nutzen Sie darüber hinaus?
Scholz: Wir sind auf zahlreichen Anlegermessen und Börsentagen präsent. In diesem Jahr werden es zehn bis zwölf. Wir nutzen diese Events als Kommunikationsmedien. Auf der Invest in Stuttgart, wo wir im zweiten Jahr in Folge vertreten waren, kamen zahlreiche Anleihegläubiger zu unserem Stand. Das ist für uns eine ideale Gelegenheit, unsere Investoren persönlich zu informieren. Zudem bieten wir auch weitere Möglichkeiten wie etwa Werksbesichtigungen, um das Thema Geldanlage erlebbar zu machen. Der Anleger soll unser Geschäftsmodell verstehen.

BondGuide: Inwiefern war die Emission der Genussrechte eine Vorbereitung für die Anleihekommunikation?
Scholz: Der Detaillierungsgrad der Finanzkommunikation hat durch die Anleiheemission deutlich zugenommen, weil die Anforderungen gestiegen sind. Es ist doch ein Unterschied, ob man nur am Graumarkt unterwegs ist oder an einem Börsensegment. Unsere Aktivität am Kapitalmarkt mit der Anleihe zwingt uns so auch zu einem anderen Verhalten. Dadurch grenzen wir uns von reinen Genussrechtsemittenten ab. Der Bondm fordert etwa, dass wir unseren Jahresabschluss 2012 bis zum 30.6. vorlegen müssen – und das ist ja auch völlig legitim. Davon profitieren die Anleger, weil das ein Qualitätsmaßstab ist. Das gilt ebenso für unser kürzlich bestätigtes Rating BBB von Creditreform. Die Anleiheemission hat uns gestärkt, auch was die Wirkung in der Öffentlichkeit angeht: Auf Messen werden wir intensiver und seriöser wahrgenommen als noch vor einem Jahr.

BondGuide: Welche Unterschiede gibt es zwischen der Kommunikation mit privaten und institutionellen Investoren?
Scholz: Die institutionellen Investoren werden direkt durch die Geschäftsleitung informiert. Das geschieht meist durch Präsentationen, die umfangreicher sind als die Newsletter für Privatanleger. Vom Informationsgehalt her ist die Ansprache zu 80 bis 90% identisch. Uns ist daran gelegen, alle Anleger gleich zu behandeln – ob sie nun mit 2.500 oder 0,5 Mio. EUR bei uns investiert sind. Dass wir den institutionellen Anleger mitunter etwas mehr hinter die Kulissen blicken lassen, ist klar.

BondGuide: Sind Ihrer Meinung nach die bestehenden Transparenzstandards für Anleihekommunikation sinnvoll und ausreichend?
Scholz: Im Sinne des Anlegerschutzes ist es wichtig, dass ein gewisses Maß an Information gewährleistet ist. Das sollte auch standardisiert sein, was Inhalt und Zeitpunkt der Informationen angeht. Die Börsen haben ja für ihre Anleihesegmente bestimmte Anforderungen. Bondm hat zudem ein internes Rating-Tool entwickelt, das jede Woche die Risikoeinstufung misst. Hier erhält der Anleger zusätzlichen Input.

BondGuide: Herr Scholz, vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch.

Das Interview führte Oliver Bönig.