„Beim Eigenkapital sehr gut aufgestellt“

Sanochemia-CEO Dr. Werner Frantsits  Quelle: Sanochemia Pharmazeutika AG

Interview mit Dr. Werner Frantsits, CEO der Sanochemia Pharmazeutika AG

BondGuide: Herr Dr. Frantsits, warum sollte die Pharmabranche für Anleihe-Anleger attraktiv sein?
Frantsits: Der Erhalt der Gesundheit gehört wie Essen und Wohnen zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Deshalb besitzt die Pharmabranche immer einen großen Stellenwert in der Bevölkerung. Bei jüngeren Menschen ist er natürlich geringer, bei älteren Menschen aufgrund längerer Krankheitszeiten entsprechend höher.

BondGuide: Welche Ziele wollen Sie mit Sanochemia in den nächsten Jahren erreichen?
Frantsits: Wir möchten gern einer der führenden Mitspieler in der mittleren Gruppe der Spezialpharma-Unternehmen sein, die in Nischenbereichen hochaktive und effektive Diagnostik sowie Therapie anbieten.

BondGuide: Wenn Sie das Emissionsvolumen voll ausschöpfen, fallen pro Jahr über 1 Mio. EUR Zinsen an. Wie wollen Sie da die Profitabilität des Unternehmens steigern?
Frantsits: Zum einen konnten wir im letzten Geschäftsjahr ein EBITDA von 5,2 Mio. EUR erreichen, in dem auch 0,8 Mio. EUR Finanzierungskosten enthalten waren. Zum anderen wollen wir mit dem Geld aus der Anleihe verstärkt die Internationalisierung in den Pharmerging Markets – dazu gehören auch europäische Länder – vorantreiben. Die momentane Schwäche dieser Märkte ist ja nur vorübergehend. Wir gehen davon aus, dass mittelfristig wieder Umsatzsteigerungen möglich sind.

BondGuide: Wie hoch ist die Eigenkapitalausstattung des Unternehmens?
Frantsits: Die derzeitige Quote liegt bei über 70%. Nach der Anleihe – falls die geplanten 15 Mio. EUR auch gezeichnet werden – soll ein Teil davon verwendet werden, teure Bankkredite zurückzuführen. Dadurch wird die Eigenkapitalquote auf etwa 63% sinken. Wir sind beim Eigenkapital sehr gut aufgestellt.

BondGuide: Warum gibt es weder für die Anleihe noch zum Unternehmen ein Rating?
Frantsits: Eigentlich gab es schon die Absicht, ein Rating durchzuführen. Bei einer Anleihe von 15 Mio. EUR sind aber bei einer renommierten Agentur Aufwand und Kosten einfach zu hoch. Und ein Rating von irgendeinem Institut hätte wenig Sinn gemacht. Außerdem erfüllen wir als bereits lane börsennotiertes Unternehmen hohe Transparenz- und Publizitätsstandards, die interessierten Anlegern die Möglichkeit geben, sich umfassend über die wirtschaftliche Lage der Sanochemia zu informieren.

BondGuide: Wofür wollen Sie die Finanzmittel aus der Anleihe verwenden?
Frantsits: Der Großteil soll in die Ausweitung unserer internationalen Präsenz fließen. Wir rechnen dadurch mit 1 Mio. EUR mehr Umsatz und bis zu 0,4 Mio. EUR mehr Working Capital. Zweitens wollen wir durch die höheren Margen im Exportgeschäft unsere Entwicklungsprojektive weiterbringen, die wir bisher mit unserem Cashflow nicht so gut ausstatten konnten. Und drittens sollen teure Bankkredite zurückgeführt werden.

BondGuide: Warum haben Sie beim Vertrieb der Anleihe auf ein Kreditinstitut oder ein Bankenkonsortium verzichtet?
Frantsits: Das Problem ist ähnlich wie bei der Frage des Ratings. Für größere Anleihen sind die großen Bankinstitute sofort da. Wir haben mit mehreren gesprochen. Bei einem Volumen von unter 30 Mio. EUR sind jedoch Aufwand und Kosten beträchtlich. Dennoch arbeiten wir mit einzelnen spezialisierten Banken zusammen – zum Beispiel der Lang & Schwarz Wertpapierhandelsbank und der Gebr.-Martin-Bank, die auch als Zahlstelle fungiert.

BondGuide: Herr Dr. Frantsits, vielen Dank für das interessante Gespräch!

Das Interview führte Thomas Müncher