Windreich: „Allein durch Global Tech I beide Windreich-Anleihen voll abgedeckt und rückzahlbar“

Willi Balz

Kaum ein anderes Unternehmen spaltet Branche, Anleger wie auch einfach nur Neugierige gleichermaßen wie der Offshore-Projektierer Windreich. Wie also ist denn nun Stand der Dinge, und zwar in jeglichen Belangen, sei es der Fortgang der beiden wichtigsten Offshore-Parks Global Tech I und MEG I sowie auch die Bedienbarkeit/Rückzahlungsfähigkeit der beiden ausstehenden Mittelstandsanleihen? Nicht zuletzt hat Gründer und CEO Willi Balz sein persönliches Schicksal durch Investitionen in dreistelliger Millionenhöhe mit der Windreich AG verwoben. Das GoingPublic Magazin sprach Ende Juni ausführlich mit Balz: Das gesamte ausführliche Interview ist in zwei Teile gesplittet – einmal die mehr technische Seite, einmal die mehr persönliche – auf bondguide.de bzw. goingpublic.de.

GoingPublic: Herr Balz, wie geht’s Ihnen und der Windreich AG aktuell? – seit unserem letzten Gespräch vor einem Jahr hat sich ja doch ein bisschen was getan, sowohl in der Cleantech-Branche wie auch speziell bei Windreich…
Balz: Gut, wir kommen mit unseren wichtigen Projekte hervorragend vorwärts. Bei Global Tech I konnte am 8. Mai das Umspannwerk erfolgreich errichtet werden. Aufgrund des erreichten Bautenstandes stehen uns bereits heute über 12 Mio. Euro Stromerlöse pro Monat zu. Dies hat zur Folge, dass die von mir und der Windreich gehaltenen 14% Anteile an Global Tech I eine Wertverdoppelung erfahren haben. Die Strategie, sich an diese Anteile mit aller Kraft zu klammern, geht also voll auf. Aufgrund der Tatsache, dass Investoren für ein im Bau befindliches Projekt, im jetzigen Baustadium von Global Tech I, 11 bis 12% Eigenkapitalrendite erwarten, Versicherungen, Pensionskassen und Infrastrukturfonds für am Netz befindliche Projekte mit nachgewiesenen Erträgen aber mit 5 bis 7% Eigenkapitalrendite zufrieden sind, steht der nächste Gewinnsprung im Jahr 2014 an. Auch diesen werden wir im Interesse unserer Anleihezeichner voll mitnehmen. Allein aus den bei Global Tech I eingetretenen Wertsteigerungen sind beide Anleihen voll abgedeckt und rückzahlbar.

GoingPublic: Und das andere große Windreich-Projekt, MEG 1 – können Sie da aus vorherigen Erfahrungen Nutzen schöpfen?
Balz: Bei dem noch zu 100% in unserem Besitz befindlichen Projekt MEG 1 wird die aus Global Tech I erworbene Lernkurve konsequent umgesetzt. Wir wollen das bisher weltweit beste Benchmarkprojekt GT I in allen Belangen übertreffen. MEG 1, ebenfalls mit 80 Maschinen der 5 MW-Klasse – also insgesamt 400 MW –, versorgt 1 Mio. Menschen mit sauberem Strom und ersetzt zusammen mit GT I bereits ein komplettes Atomkraftwerk.

GoingPublic: Ist das neu – bzw. was ist daran neu? Das können andere Windparkprojekte doch auch schon.
Balz: Drei wesentliche Alleinstellungsmerkmale von MEG 1 gibt es: Aufgrund der von uns intensiv genutzten, im zehnten Jahr befindlichen Projektvorlaufzeit verfügen wir über einen pünktlich mit der Inbetriebnahme des Windparks fertiggestellten Netzanschluss. Weltweit erstmalig wird MEG 1 mit einem EPC-Vertrag, das heißt schlüsselfertig, zum Festpreis pünktlich gebaut. Dieser Vertrag bündelt die bei GT I bewährten Partner Areva, Alstom und Hochtief. Erfreulicherweise haben wir mit der Zustimmung des Bundeskartellamts für diese Konstellation einen wichtigen Projektmeilenstein erreicht.

GoingPublic: Und wie zu hören ist, haben Sie sich dabei auch als Erfinder betätigt, oder?
Balz: Ja, ein absolutes Alleinstellungsmerkmal ist meiner Leidenschaft zum Fliegen zu verdanken: Ein von mir vor über zehn Jahren mitentwickeltes Navigationssystem wird zum Beispiel von der Schweizer Rettungsflugwacht, der REGA, erfolgreich für Rettungsflüge bei schlechtem Wetter und in der Nacht in den Alpen eingesetzt. Tüchtige Ingenieure unserer 100%-Tochter Nawio GmbH haben dieses Navigationssystem erfolgreich auf den Einsatz für Offshore-Windparks adaptiert.

GoingPublic: … etwa um einen Offshore-Windpark wiederzufinden?!
Balz: So ähnlich, ja. Damit erhöhen wir nicht nur die Arbeitssicherheit entscheidend, sondern steigern auch durch die jederzeitige Erreichbarkeit der Anlage deren Verfügbarkeit um 1,5% pro Jahr, was glatte 5 Mio. EUR mehr Stromerlös pro Jahr und Windpark bedeutet! Selbstverständlich wird dieses System konsequent und ausschließlich bei Windreich-Windparks eingesetzt, um die von den am Markt üblichen langsamen, umständlichen und gefährlichen Bootseinsätze zu vermeiden. Während unsere großen Mitbewerber bevorzugt Nearshore bauen, werden Windreich-Offshore-Parks in wesentlich größeren Küstenabständen und damit auch bei allerbesten Windverhältnissen errichtet. Die hiermit einhergehenden Herausforderungen haben wir früh erkannt. Wir haben längst Probleme gelöst, auf die andere noch nicht einmal gestoßen sind.

GoingPublic: Herr Balz, ganz herzlichen Dank für Ihre interessanten Einblicke und das persönliche Engagement!

Das Interview führte Falko Bozicevic.

In Teil II des Interviews mit Willi Balz finden Sie die Themen ausstehende Windreich-Mittelstandsanleihen, Gerüchte & Co.