Spekulationen um die FED – geht der Zinsanstieg weiter?

Wolfgang Juds; CREDO Vermögensmanagement
Juds-Kolumne

An den Kapitalmärkten wächst die Angst vor einem Ausstieg der amerikanischen Notenbank FED aus der Politik des billigen Geldes. Anleger haben sich bereits positioniert und Geld aus US-Staatsanleihen abgezogen. Droht jetzt ein weiterer Zinsanstieg?

In den letzten Wochen hat sich der Anstieg der langfristigen Zinsen in den USA und auch in Deutschland deutlich beschleunigt. In den USA sind die Renditen der richtungsweisenden 30-jährigen Treasury-Bonds seit Jahresbeginn von 2,9% auf 3,9% um fast einen ganzen Prozentpunkt gestiegen. In Deutschland fiel der Anstieg bei den 10-jährigen Bundesanleihen von 1,3% auf 1,9% nicht ganz so drastisch aus, aber er ist spürbar.

Am kurzen Ende, bei den Zinsen für Terminanlagen, hat sich bislang noch nicht viel getan.

Was sind die Gründe für diesen Zinsanstieg? In den USA hat der Chef der US-Notenbank, Ben Bernanke, angekündigt, die Anleihekäufe in absehbarer Zeit zu drosseln. Er hat zwar nicht gesagt, dass die Käufe sofort gestoppt werden sollen, wohl aber, dass die Notenbank künftig weniger US-Staatsanleihen kaufen wolle und irgendwann ganz damit aufhören würde. Die US-Wirtschaft befindet sich auf der Rückkehr zur Normalität. Allerdings hat Bernanke Bedingungen an das Ende der lockeren Geldpolitik geknüpft: Vor allem der US-Arbeitsmarkt steht im Focus der FED. Die Arbeitslosenquote soll unter 6,5% sinken und die US-Wirtschaft müsse sich deutlich stabilisieren. Bislang sind die Zahlen in den USA zwar ermutigend, aber durchwachsen. Die Wirtschaft läuft noch nicht rund, insbesondere das Verbrauchervertrauen ist zuletzt schwach ausgefallen. Vielmehr ist die Wirtschaft wie eine zarte Pflanze, die nicht durch scharfe Eingriffe zerstört oder beschädigt werden darf.

Anleger haben sich bereits positioniert. In China und in Japan zogen Investoren bereits 40,8 Mrd. USD ab. Auch große Rentenfonds haben mit Mittelabflüssen zu kämpfen. Es stellt sich die Frage, wer die Staatsanleihen kauft, wenn nicht die FED? Käufe in einer Größenordnung von 85 Mrd. USD pro Monat lassen sich nicht ohne weiteres kompensieren, insbesondere dann nicht, wenn Anleger derzeit Mini-Zinsen bekommen, aber künftig mit steigenden Zinsen rechnen müssen. Außerdem hat die USA weder mit Strukturreformen noch mit Sparmaßnahmen begonnen. Im Gegenteil – es werden jeden Monat neue Schulden gemacht.

Dieses Dilemma dürfte auch der FED zunehmend Sorgen bereiten. Daher hat es mich nicht überrascht, dass es zuletzt keine konkreten Aussagen zum Ausstieg aus der bisherigen Geldpolitik gibt. Vielmehr erwarte ich, dass die USA ihren bisherigen Kurs fortsetzen werden. Folglich dürften die Zinsen weiterhin für lange Zeit auf einem niedrigem Niveau verharren. Vielleicht sehen wir in Deutschland bei 10-jährigen Bundesanleihen vorübergehend eine Rendite von 2% und in den USA bei den 30-jährigen US-Treasuries eine 4% vor dem Komma, aber dauerhaft ist keine Trendwende in Sicht. Warten wir also ab, wie sich die Notenbanken in der nächsten Zeit entscheiden – sie geben die Richtung für die Märkte vor!

Wolfgang Juds,
Inhaber der CREDO Vermögensmanagement GmbH