Italien: Rückkehr zum Wachstum!

Wolfgang Juds; CREDO Vermögensmanagement

In Italien verstärkt sich die Hoffnung auf ein Ende der Rezession. Zwar schrumpfte die Wirtschaft auch das 8. Quartal hintereinander – aber mit 0,2% nur halb so viel wie von Analysten befürchtet. Die Frühindikatoren signalisieren die Rückkehr zu mehr Wachstum. Ist die Euro-Krise inzwischen überwunden?

Die Daten sind ermutigend! Auch wenn die Wirtschaft Italiens im 2. Quartal 2013 erneut geschrumpft ist, macht sich inzwischen Zuversicht breit. Die Produktion im verarbeitenden Gewerbe stieg im Juni um 0,3%, die Einzelhandelsumsätze zogen erstmals seit 14 Monaten wieder an und der Einkaufsmanagerindex für die Industrie konnte ebenso wie das Kaufverhalten der Verbraucher zulegen. Kurz: Eine ganze Reihe von Indikatoren haben die Konjunkturampel für das  zweite Halbjahr 2013 auf „Grün“ gestellt. Was für Italien gilt, gilt inzwischen auch für die Eurozone insgesamt. Der Gesamteinkaufsmanagerindex stieg im Euroraum von 48,7 im Juni auf 50,5 Punkte im Juli. Die Schwelle von 50 Punkten wurde signifikant überschritten und deutet auf Wachstum hin.

Diese ermutigenden Wirtschaftsdaten für die Eurozone bleiben in den Medien erstaunlich wenig Resonanz. Italien steht ähnlich wie Spanien und Portugal als Sinnbild für die Euro-Schuldenkrise. Zu hohe Staatsschulden, verkrustete Strukturen und mangelnde Wettbewerbsfä-higkeit waren kennzeichnend für die Peripheriestaaten. Darüber wurde eingehend berichtet. Sogar ein Auseinanderbrechen der Eurozone wurde diskutiert. Inzwischen konnten die Lohnstückkosten und die Wettbewerbsfähigkeit der südeuropäischen Staaten durch harte Ein-schnitte und Reformen deutlich verbessert werden. Es ist noch nicht alles Gold, was glänzt – keineswegs! Aber die Signale sind ermutigend!

Wie entwickelt sich das Zinsniveau in Europa?
Die Renditeaufschläge italienscher Staatsanleihen sind deutlich zu-rückgegangen. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise musste Italien zeitweilig 7,0% für neue Staatsanleihen zahlen, inzwischen liegt die Rendite 10-jähriger Anleihen bei 4,3%. Der Renditeaufschlag gegenüber Bundesanleihen ist auf 250 Basispunkte gesunken. Das ist ermutigend! –  Aber müssten die Zinsen nicht insgesamt stärker steigen angesichts einer stärker werdenden Wirtschaft? Grundsätzlich ja – aber EZB-Chef Mario Draghi hat zuletzt weiterhin niedrige Geldmarktzinsen angekündigt. Das hat dazu geführt, dass die Zinsstrukturkurve steiler geworden ist. Mittlerweile bewegt sich die Steilheit über dem Durchschnitt der letzten Jahre. Durch die politischen Eingriffe und das Handeln der EZB wird der Zinsanstieg begrenzt. Man möchte die zarte Pflanze der des Konjunkturanstiegs nicht gleich wieder gefährden. Daher sind Zinsprognosen äußerst schwierig.  Aber die Steilheit der Kurve lässt sich durchaus ausnutzen. An schwachen Tagen bieten sich weiterhin Gelegenheiten am Rentenmarkt.

Wolfgang Juds, Inhaber der CREDO Vermögensmanagement GmbH