Droht der USA die Zahlungsunfähigkeit?

Wolfgang Juds; CREDO Vermögensmanagement

Nach Hochrechnung von US-Finanzminister Jacob Lew droht den USA Mitte Oktober die Zahlungsunfähigkeit. Genau wie im letzten Jahr! Warum reagieren die Märkte so gelassen? Was bedeutet dies für die weitere Zinsentwicklung?

Sowohl die Zinsen für US-Staatsanleihen als auch für deutsche Bundesanleihen sind zuletzt deutlich gesunken. 1,83% gibt es in Deutschland für 10 Jahre und 3,70% in den USA für 30 Jahre. Das ist ganz erstaunlich angesichts der finanziellen Probleme, die die USA haben. Auch in Japan befinden sich die Zinsen ebenfalls auf niedrigstem Niveau. Es sieht fast wie ein Widerspruch aus, denn eigentlich müssten die Anleger angemessene Risikoaufschläge für die hohe Staatsverschuldung fordern.

Da aber sowohl die FED als auch die Japanische Notenbank ihre ultralockere Geldpolitik fortsetzen, sind die eigentlichen Marktgesetze von Angebot und Nachfrage außer Kraft gesetzt. Die Zinsen werden über lange Zeit niedrig bleiben, weil sie künstlich niedrig gehalten werden. Im Gegensatz dazu stehen viele Staaten in Asien deutlich solider dar. Zwar gibt es Probleme in Indien und Indonesien, aber viele andere Länder sind strukturell sehr solide. Daher erstaunt es schon, dass die Anleihen aus den Emerging Markets zuletzt so stark unter die Räder gekommen sind. Langfristig sollten sich jedoch die fundamental guten Daten in Asien auszahlen. Es gibt deutlich mehr Zinsen bei vertretbarem Risiko.

Zurück zu den USA: Trotz der unterschiedlichen Auffassungen zwischen Republikanern und Demokraten eint die Parteien das nationale Ziel, die Vorherrschaft der USA in der Welt zu sichern. Und die wäre bei einer Zahlungsunfähigkeit deutlich gefährdet. Das wissen die Verhandlungspartner und werden darum alles dafür tun, um den Bankrott zu verhindern! Ich rechne wie im Vorjahr mit einer Lösung in letzter Minute. Alles bleibt beim alten – und die Zinsen weiter niedrig!

Wolfgang Juds, Inhaber der CREDO Vermögensmanagement GmbH