Ohne Gewährleistung: Eigentümer-geführte Unternehmen sind auch keine Garantie – ein Kommentar von Ralf Meinerzag, Steubing

Frankfurt Taunusanlage

Im „Standpunkt German Mittelstand“ äußert sich das Team um Ralf Meinerzag regelmäßig zum Markt für Mittelstands- und Hochzinsanleihen. Dieses Mal: Familienunternehmen auf den Prüfstand oder: Ein Eigentümer-geführtes Unternehmen muss nicht auch unbedingt ein gutes Unternehmen sein!

Eigentümer-geführte Unternehmen sind auch keine Garantie für eine gute kaufmännisch sinnvolle Betriebsführung und einen sinnvollen, nachhaltigen Umgang mit dem ihnen anvertrauten Fremdkapital. Ein Beispiel ist für uns die Rudolf Wöhrl AG: Im letzten Jahr musste das Unternehmen Insolvenz in Eigenverwaltung anmelden, die im Dezember in einer Regelinsolvenz mündete. Schon damals war klar, dass Anleger, die in die 30 Mio. EUR umfassende Anleihe der Rudolf Wöhrl AG investiert hatten, würden bluten müssen. Von Insolvenzspezialisten wurde im besten Falle eine Quote von 20% erwartet.

Am 26. April 2017 gab das Unternehmen in einer Pressemitteilung bekannt, dass es im Rahmen eines Asset Deals an eine Gesellschaft des Unternehmers Christian Greiner verkauft werde. Für Anleihegläubiger gab es dann auch direkt positive Nachrichten: „Nach neuesten Erkenntnissen rechnet die Eigenverwaltung der Rudolf Wöhrl AG mit einer angepassten Insolvenzquote für die Insolvenzgläubiger (§ 38 InsO) in der Spanne von ca. 16 bis 21% (bundesweiter Durchschnitt: ca. 5% laut Statistischem Bundesamt). Bisher wurde von einer Insolvenzquote von 10 bis 20% ausgegangen.“ (Pressemitteilung der Rudolf Wöhrl AG 26.04.2017).

Rudolf Wöhrl AG: Versammlung der Anleihegläubiger am 24. April 2017 ist abgesagtChristian Greiner ist kein Unbekannter: Er ist der Enkel des Gründers Rudolf Wöhrl und stellte sich Anfang Mai direkt gegenüber dem HandelsBlatt im Rahmen eines großen Interviews. Ohne seinem Cousin Olivier Wöhrl, dem bisherigen Vorstandsvorsitzenden von Wöhrl, offensichtlich Vorwürfe zu machen, moniert er jedoch Fehler in der Unternehmensführung (eine ‚zu aufgeblähte Zentrale‘) und das unstrukturierte Sortiment in Filialen. Bilderbuchmäßig werden hier die ersten beiden betriebswirtschaftlichen Krisen auf dem Weg zur Insolvenz beschrieben: Erst die Management- und nachfolgend die Strategiekrise. Das war auch schon zum Zeitpunkt der Anleiheemission Status quo. Es stellt sich die Frage, ob dies die Berater, die die Anleihe mit begleitet haben, damals nicht auch gesehen haben.