More & More – Mode-Bond mit leichten Schönheitsfehlern

Vom Catwalk an den Anleihemarkt: More & More startet am 3. Juni die Zeichnungsfrist. Quelle: More & More AG

Das bayrische Modelabel More & More plant, eine Anleihe im Zielvolumen von 13 Mio. EUR im Stuttgarter Bondm zu begeben. Zeichnungsstart ist der 3. Juni. Angesichts des Creditreform-Ratings von B+ erscheint der Kupon von 8,125% noch zu niedrig gewählt. Doch die Mittelstandsanleihen anderer Modemarkenunternehmen haben gezeigt, dass eine Überzeichnung – auch aufgrund des vergleichsweise niedrigen Volumens – dennoch wahrscheinlich ist.

Unternehmen
Karl-Heinz Mohr gründete More & More im Jahr 1982. Er ist nach wie vor Alleininhaber und Vorstandsvorsitzender. In der Damenoberbekleidung konzentriert sich More & More auf die Zielgruppe „Modern Woman“, die Frauen im Alter zwischen 25 und 45 umfasst. Dabei ist die Modemarke sowohl in Einzelhandelsketten wie Peek & Cloppenburg, Onlineshops wie Zalando als auch mit eigenen Retail-Stores vertreten. Zu den wesentlichen Mitbewerbern zählen s.Oliver und Esprit. Geographisch konzentriert sich More & More auf die deutschsprachigen Kernmärkte.

Wachstumspotenziale sieht Mohr insbesondere im Facheinzelhandel sowie im e-Commerce. War More & More zum Höhepunkt der Finanzkrise war in keiner Filiale von Peek & Cloppenburg mehr vertreten, findet man es inzwischen wieder fast die Hälfte. Und  Mohr ist zuversichtlich, dass seine Marke auch in weitere Filialen zurückkehren wird. Auch der Online-Umsatz hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt. Seit Ende 2012 besteht eine Verknüpfung zu Zalando und Amazon. Künftig will das Unternehmen hier jährlich im zweistelligen Bereich wachsen. 

Mittelverwendung
Im operativen Geschäft sieht Mohr kaum Finanzierungsbedarf. Der Emissionserlös der Anleihe soll deshalb vornehmlich in die Restrukturierung der Passivseite fließen. Zudem soll die zusätzliche Liquidität dazu eingesetzt werden, bessere Einkaufskonditionen, etwa durch die Ausnutzung von Skonti, zu erreichen. Ein Teil des Anleihevolumens könnte auch in Eröffnung eigener Markenläden fließen, allerdings steht dieses Standbein nicht ganz oben in der Zukunftsplanung von More & More.

Anleihedetails
Für diese Zwecke sieht Mohr einen Finanzierungsbedarf von 13 Mio. EUR – und nicht mehr (siehe auch Interview mit Karl-Heinz Mohr). Der Kupon liegt mit 8,125% zwar über der durchschnittlichen Rendite von Mittelstandsanleihen, das Creditreform-Rating von B+ für More & More fiel im Vergleich aber auch recht niedrig aus. Die Laufzeit von fünf Jahren und die 1.000-EUR-Stückelung der nicht nachrangigen Anleihe sind Standard für Mittelstandsbonds. Das gilt auch für die Covenants, bei denen eine Ausschüttungssperre bis 20% Eigenmittelquote erwähnenswert ist. Zudem besteht eine Rückkaufoption zu 102,5% nach drei Jahren und zu 101,5% nach vier Jahren.

Zahlen
Nach verlustreichen Jahren zwischen 2008 und 2011 gelangte More & More im vergangenen Geschäftsjahr wieder in die Gewinnzone. Das EBITDA stieg auf 2,16 Mio. EUR, nachdem es 2011 noch mit 1,09 Mio. EUR im negativen Bereich gelegen hatte. Ein Forderungsverzicht des Gesellschafters sorgte für außerordentliche Erträge, so dass der Jahresüberschuss 2012 auf 4,46 Mio. EUR gehoben wurde. Der Umsatz legte im zweiten Jahr in Folge zu, hat aber mit 45,2 Mio. EUR noch lange nicht das Niveau vor der Finanz- und Unternehmenskrise erreicht (2005: 67,9 Mio. EUR). Die niedrige Eigenkapitalquote von gerademal 4% führt Mohr auf den geringen Warenbestand zum Bilanzstichtag zurück. Zudem habe eine Studie More & More einen Markenwert von 13 Mio. EUR zugeordnet, der in der Bilanz natürlich nicht aktiviert sei.

Fazit
Da der Emissionserlös der Anleihe zum Großteil in die Refinanzierung bestehender Anleiheverbindlichkeiten fließen soll, wird die Eigenkapitalquote kaum in Mitleidenschaft gezogen. Dennoch ist sie selbst für ein Handelsunternehmen doch sehr niedrig, was sich auch in der wenig ermutigenden Ratingnote von B+ ausdrückt. More & More hat allerdings schon schlechtere Zeiten gesehen, durch die der Gründer und CEO Karl-Heinz Mohr das Unternehmen geführt hat, und ist nun wieder in der Gewinnzone angekommen. Die Zukunftsstrategie scheint schlüssig und nicht zu ambitioniert. Wer darauf vertraut und bereit ist, ein gewisses Risiko in Kauf zu nehmen, dem sei eine Zeichnung empfohlen, obgleich ein noch etwas höherer Kupon durchaus angebracht wäre. Der schnelle Ausverkauf von anderen Markenmode-Bonds lässt einen Zeichnungsgewinn erwarten.

Oliver Bönig

Das Interview mit Karl-Heinz Mohr, CEO, Gründer und Gesellschafter von  More & More AG finden Sie hier.

Anleiheübersicht – More & More AG

WKN

A1T ND4

Erstnotiz

11. Juni

Zeichnungsfrist

3. bis 6. Juni 2013 (frühere Schließung möglich)

Ausgabepreis

100%

Kupon

8,125% p.a.

Stückelung

1.000 EUR

Laufzeit

5 Jahre

Marktsegment

Bondm, Börse Stuttgart

Emissionsvolumen

bis zu 13 Mio. EUR

Rating/Unternehmen

B+ (Creditreform)

Banken/Sales

quirin bank

Internet

www.more-and-more.de/anleihe

Geschäfts- und Kennzahlen – More & More AG

2011

2012

2013e

Umsatz* 

 43,3

 45,2

48

EBITDA*

 -1,1   

  2,2      

3,0

Jahresüberschuss

 0,07

  4,5

2,0

*) in Mio. EUR
Quelle: Unternehmensangaben, BondGuide Research

Bewertung – More & More AG

Wachstumsstrategie/Mittelverwendung:

****

Peergroup-Vergleich:

***

Kennzahlen (Zinsdeckung, Gearing o.Ä.):

**

IR/Bond-IR:

*****

Covenants:

***

Liquidität im Handel (e)

**

Fazit by BondGuide

*** (Chancen/Risiken ausgeglichen)